Montag  —  21. Mai 2012
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Abbildung: nulleffekt.net – Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

In Ausübung seiner Tätigkeit zweimal innerhalb weniger Minuten von der Polizei angehalten zu werden – ist das noch Zufall?

Kürzlich fand am Yppenplatz in Wien-Ottakring eine Angelobung des Bundesheers statt. Sie wurde verknüpft mit einem von der Muslimischen Jugend organisierten, öffentlichen Fastenbrechen am Abend eines Ramadantages. Das Heer selbst verkündete per Presseaussendung, dass »alle Medienvertreter und Medienvertreterinnen herzlich eingeladen sind«, den soldatischen Initiationsritus zu besuchen. Das Interesse war groß, allerdings auch jenes der Polizei an den Medienvertretern; wenigstens an jenem Anteil an Medienvertretern, den ich stellte.

Schon bald nach meinem Eintreffen gerate ich in das Augenmerk einer vor mir stehenden Gruppe Polizeibeamte. Als ich an ihr vorbeigehen will, dreht sich der offensichtlich Verantwortliche zu mir und erklärt, die Personenbeschreibung eines Handtaschenräubers in der Nachbarschaft treffe auf mich zu. Das ist zwar nicht das Kompliment, das man an einem lauen Sommerabend erwartet. Während der Uniformierte meine Daten erfasst und ein anderer behenden Griffes den Rucksack durchstöbert, schlägt mein Unmut jedoch rasch in Verblüffung um.

Um die Ecke gedacht oder einen Vorwand gesucht?

Mich erstaunt der Gedanke, dass die Herren annehmen, ein Räuber würde nach seiner Tat mit einer Spiegelreflexkamera verkleidet den Ort mit der größten Polizeipräsenz in der Gegend aufsuchen. Womöglich um in perfekter Tarnung weitere Handtaschen abzugreifen. Clever, wie die österreichische Polizei um die Ecke denkt.

Oder es war ein Vorwand – um an die Daten desjenigen zu gelangen, der vor einem möglichen Einsatz identifizierende Fotos der Beamten gemacht haben könnte? (Es wäre kein Einzelfall.)

»Dann habe ich Ihre Identität«

Während ich diesen Gedanken entwickle, nimmt mich ein anderer Polizeitrupp ins Visier. »Haben Sie einen Ausweis?« tritt einer an mich heran. Mit gehobener Stimme weise ich die um mich entstehende Polizistentraube darauf hin, dass ich gerade eben perlustriert worden war, vergeblich, und ebenso vergeblich, dass ich einen Presseausweis vorweisen könne.

Wenn ich kooperiere, sei das für alle Beteiligten einfacher, packt der Beamte die im Theoriekurs eingeübte Deeskalationsparole aus. Im Hintergrund hält einer seiner Kollegen meinen Führerschein in der einen Hand und sein Funkgerät in der anderen, lässt offenbar meine Personalien mit der Datenbank abgleichen. »Es gibt entsprechende Anweisungen« für das Vorgehen, erläutert der Wachmann, weil kürzlich das Foto eines Wega–Beamten unrechtmäßig in einer Tageszeitung zu sehen gewesen sei. »Wenn Sie mich fotografieren oder filmen und das auf YouTube veröffentlichen, dann habe ich Ihre Identität«, war er in seiner Ehrlichkeit nicht zurückhaltend. Meinen Einwand, dass die Aufnahme eines Fotos aber schon gar nichts mit einer Veröffentlichung (die dann tatsächlich strafbar wäre) zu tun hat, nickt er ebenso geringschätzig wie beiläufig ab. Ist das schon Präventivverdacht?

Mehr Bilder der Angelobung (natürlich ohne Polizei) gibt es auf derStandard.at und Flickr.

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unter dem Titel ...
»Deeskalationsparolen« am 8. September 2011, kategorisiert unter Feature, Medien, Politik und getaggt mit , , , , , .
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